Hintergrund · Stand 01.11.2026

Rechte Gewalt: Was die Beratungsstellen für 2025 zählen und wo Betroffene Hilfe bekommen

3.167 rechte, rassistische und antisemitische Angriffe, zwölf Betroffene pro Tag, 656 Angriffe auf politische Gegner: die Jahresbilanz des VBRG, sachlich eingeordnet.

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Wer zählt – und wie

Der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) ist der Dachverband spezialisierter Opferberatungsstellen in den Bundesländern. Seine Mitglieder unterstützen Betroffene und dokumentieren dabei auch Angriffe, die nie bei der Polizei angezeigt wurden. Die VBRG-Zahlen sind deshalb ein Blick auf das Hellfeld der Beratungsstellen: Sie stammen aus Gesprächen mit Betroffenen und aus Recherchen, nicht aus der Kriminalstatistik der Polizei. Beide Zählweisen unterscheiden sich und ergeben unterschiedliche Zahlen.

Die folgenden Angaben stammen aus der Jahresbilanz 2025, die der Verband am 21. Juli 2026 vorgestellt hat. Zahlen, die sich nicht belegen lassen, stehen hier nicht.

Quellen: VBRG: Jahresbilanz 2025, Berlin, 21. Juli 2026
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Die Zahlen für 2025

Die Fachberatungsstellen dokumentierten für 2025 bundesweit 3.167 rechts, rassistisch und antisemitisch motivierte Angriffe. Das ist leicht weniger als im Vorjahr (2024: 3.453), bewegt sich aber nach Angaben des Verbands weiter auf einem anhaltend sehr hohen Niveau.

  • Statistisch wurden an jedem Tag zwölf Menschen Opfer rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt.
  • Mindestens 4.298 Menschen waren unmittelbar betroffen, darunter 604 Kinder und Jugendliche (372 Jugendliche und 232 Kinder).
  • Körperverletzungen bildeten mit 1.800 Fällen die größte Deliktgruppe und machten mehr als die Hälfte aller Angriffe aus: 610 gefährliche und 1.168 einfache Körperverletzungen.
  • Der VBRG dokumentierte zwei vollendete Tötungsdelikte und 20 versuchte Tötungsdelikte oder schwere Körperverletzungen. Elf dieser 20 Fälle waren rassistisch motiviert.
  • Bei den antisemitischen Gewalttaten zählte der Verband 180, nach 354 im Vorjahr.
Quellen: VBRG: Jahresbilanz 2025
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Angriffe auf Kinder und auf politisch Engagierte

Der Verband berichtet, dass auch die registrierten Angriffe auf Kinder und Jugendliche fast ausschließlich rassistisch motiviert waren. Als Beispiel nennt der Verband einen Fall aus Magdeburg im Juli 2025. Nach seiner Darstellung soll ein Autofahrer Passantinnen und Passanten rassistisch beleidigt und danach ein Kleinkind mit seinem Auto angegriffen haben. Zu Verfahren und Ausgang liegen dieser Seite keine belegten Angaben vor; für den Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Einen „traurigen Rekordwert“ meldet der VBRG bei Angriffen auf politische Gegnerinnen und Gegner sowie Engagierte: 656 Übergriffe im Jahr 2025, 100 mehr als 2024 (542) und doppelt so viele wie 2023 (315). Allein 319 dieser Angriffe richteten sich gegen zivilgesellschaftlich engagierte Menschen, die sich gegen die extreme Rechte und für eine offene Gesellschaft einsetzen. Wer sich in Duderstadt oder im Eichsfeld ehrenamtlich oder politisch engagiert, kann daraus zwei Dinge ableiten: Die Zahlen betreffen Engagierte im ganzen Land, und die Bereitschaft, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist legitim. Zahlen für einzelne Orte nennt der Verband in der Kurzfassung nicht.

Quellen: VBRG: Jahresbilanz 2025
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Was die Zahlen nicht sagen

Eine Statistik von Beratungsstellen hat Grenzen. Sie erfasst, was Betroffene oder Zeugen melden. Eine hohe Zahl kann daher auch bedeuten, dass das Vertrauen in die Beratung wächst; eine niedrige, dass Menschen sich nicht mehr melden. Der VBRG selbst beschreibt für den Bereich antisemitischer Gewalt, dass viele Betroffene ihre Identität aus Angst weniger sichtbar machen und deshalb seltener melden.

Die Zahlen sagen außerdem nichts über die Täter im Einzelnen. Ob und wie ein Angriff zu einer Partei, einem Netzwerk oder einer Szene gehört, ist eine Frage für Ermittlungen und Gerichte. Auf dieser Seite wird deshalb keine einzelne Partei für die Zahlen verantwortlich gemacht. Wer dennoch eine solche Behauptung liest, sollte nach dem Beleg fragen (siehe unsere Anleitung zu Prüfschritten gegen Desinformation).

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Wo Betroffene Hilfe bekommen

In allen Bundesländern gibt es spezialisierte Beratungsstellen. Sie beraten kostenlos, parteilich für die Betroffenen und unabhängig von einer Anzeige. Die Mitglieder des VBRG sind auf der Seite des Verbands aufgeführt. Für Niedersachsen ist dort nach der aktuellen Zuständigkeit zu suchen; ältere Meldungen nennen die „Betroffenenberatung Niedersachsen“. Weil sich Trägerschaften ändern können, sind Telefonnummern hier bewusst nicht aufgeführt – bitte die Kontaktdaten auf den Seiten des VBRG und des Landes Niedersachsen prüfen.

In einer akuten Gefahr gilt unabhängig von allem: Notruf 110. Verletzungen lassen sich ärztlich dokumentieren; das hilft später bei Anzeige und Entschädigung.

Quellen: VBRG, Verband der Beratungsstellen
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So liest du solche Statistiken richtig

Drei Hinweise für den Umgang mit den Zahlen. Erstens: Die Beratungsstellen erfassen, was ihnen bekannt wird; die Zahl ist eine Untergrenze, keine vollständige Zählung. Zweitens: Die Bilanz zählt Taten, nicht Täter; über Ermittlungsverfahren und Urteile sagt sie nichts. Drittens: Das leichte Minus von 3.453 auf 3.167 ist für den Verband kein Anlass zur Entwarnung, weil die Zahl im langjährigen Vergleich hoch bleibt.

Wer wissen möchte, wie viele Taten die Polizei in ihrer Statistik zur politisch motivierten Kriminalität erfasst, findet dort andere Zahlen, weil die Definitionen anders sind. Beide Quellen ergänzen sich; keine ersetzt die andere.

Quellen: VBRG: Jahresbilanz 2025
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Was Kommunen und Vereine tun können (Meinung)

Meinung: Politik vor Ort kann Betroffenen helfen, ohne dass es teuer sein muss: Beratungsstellen bekannt machen, Vereinsräume für Gesprächsrunden öffnen, Ehrenamtliche schützen, die angefeindet werden, und Vorfälle offen ansprechen. Wer Engagierten Rückhalt gibt, senkt die Hemmschwelle, Taten zu melden. Das ist eine Handlungsempfehlung aus Sicht dieser Seite und kein Beschluss einer Stelle.

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Meine Einordnung (Meinung)

Meinung: Eine Demokratie misst sich nicht an ihren Sonntagsreden, sondern daran, ob Betroffene Hilfe finden und Täter mit Konsequenzen rechnen müssen. Zahlen wie diese sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden („andere Gewalt gibt es auch“). Jede Gewalt, die Menschen wegen Herkunft, Religion oder Haltung trifft, verdient dieselbe Aufmerksamkeit. Nach Einschätzung dieser Seite können rassistische Äußerungen und das Verharmlosen von Gewalt ein Klima begünstigen, in dem solche Taten leichter geschehen. Das ist eine Wertung und kein Kausalbeweis. Sie begründet aber, warum diese Seite eine klare Haltung einnimmt: Menschenwürde ist nicht verhandelbar.

Quellen abgerufen am 1. November 2026. Sie sind sinngemäß wiedergegeben; verbindlich ist jeweils der aktuelle Wortlaut. Fehler bitte über die Kontaktseite melden.

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