Wie erkenne ich Desinformation? Fünf Prüfschritte, die in drei Minuten gehen
Vor Wahlen kursieren Behauptungen, die empört machen sollen und sich nicht prüfen lassen. Hier steht, woran man sie erkennt und was man vor dem Weiterleiten tun kann – mit Beispielen aus der Kommunalpolitik.
Warum es gerade vor Wahlen darauf ankommt
Falsche Informationen verbreiten sich selten, weil ihre Urheber Mehrheiten überzeugen wollen. Meist reicht es, Misstrauen zu säen: in Behörden, in Medien, in den Ablauf von Wahlen. Die Bundesregierung unterscheidet in ihrer Anleitung zwischen einer Falschmeldung, die aus Sorge oder Unwissen weitergegeben wird, und Desinformation. Von Desinformation spricht sie, wenn Menschen gezielt getäuscht oder beeinflusst werden sollen. Typisch seien reißerische Formulierungen und starke Emotionen.
Für eine Kleinstadt wie Duderstadt klingt das weit weg. Es ist aber nah: Bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 wurde im Stadtrat eine Sitzverteilung festgelegt, die jeder im amtlichen Ergebnis nachlesen kann. Wer dort nachschaut, findet Zahlen mit Quelle und Stand. Wer stattdessen einer Sprachnachricht glaubt, die „aus sicherer Quelle“ ein anderes Ergebnis kennt, verlässt sich auf etwas, das niemand überprüfen kann. Der Unterschied zwischen beidem ist der Kern dieser Seite.
Quellen: Bundesregierung: Woran Sie Desinformation erkennen können (Stand der Seite: 5. Mai 2025)Schritt 1: Innehalten, bevor du teilst
Der wichtigste Schritt kostet keine Zeit, nur Disziplin. Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt drei Fragen an den Anfang: Kann diese Mitteilung ein Fake sein? Wer hat sie verfasst und mit welcher Absicht? Und: Wirkt etwas merkwürdig, dann lohnt ein genauerer Blick samt Faktencheck.
Die Bundesregierung rät zusätzlich, Überschrift und Text auf Widersprüche abzugleichen. Stimmt die Schlagzeile mit dem überein, was im Text steht? Werden Zahlen genannt, aber nicht erklärt, woher sie stammen? Zweifelhafte Inhalte sollte man nicht weiterleiten. Das ist keine Zensur, sondern Selbstschutz: Jede weitergeleitete Falschmeldung macht den Absender zum Verbreiter.
Merksatz: Je stärker eine Nachricht dich wütend oder ängstlich macht, desto sorgfältiger solltest du sie prüfen.
Quellen: bpb: Ist diese Meldung ein Fake? (31.03.2023); Bundesregierung: Desinformation erkennenSchritt 2: Absender prüfen – wer steht dahinter?
Bei Videos, Bildern und Texten lohnt die Frage, wer sie zuerst veröffentlicht hat und wie oft sie weitergeleitet wurden. Ein echter Name im Profil kann für Echtheit sprechen, ist aber kein Beweis. Bei Internetseiten hilft das Impressum: Nach der Anleitung der Bundesregierung sollte dort eine verantwortliche Person mit vollständiger Anschrift stehen. Eine bloße anonyme E-Mail-Adresse reicht nicht.
Auch diese Seite sollte sich daran messen lassen. Sie wird nicht von der AfD betrieben. Wer sie ist und wie man sie erreicht, steht im Impressum, und Korrekturen sind dort ausdrücklich erwünscht. Das gilt für jede Quelle: Wer sich nicht erreichbar macht, will nicht widerlegt werden.
Quellen: Bundesregierung: Desinformation erkennenSchritt 3: Quellen vergleichen und Faktenchecks suchen
Eine einzelne Quelle beweist wenig. Die Bundesregierung empfiehlt, Nachrichten mit weiteren Quellen abzugleichen. Dafür eignen sich zum Beispiel die Faktencheck-Abteilungen seriöser Medien, die Bild- und Videomaterial aus Kriegsgebieten regelmäßig prüfen, sowie die offiziellen Seiten von Behörden. Mit den verdächtigen Schlagwörtern und dem Wort „Faktencheck“ lässt sich in jeder Suchmaschine nachsehen, ob jemand die Behauptung bereits untersucht hat. Für Desinformation aus Russland nennt die Bundesregierung außerdem die Seite EUvsDisinfo.eu des Europäischen Auswärtigen Dienstes.
Bei kommunalen Behauptungen gibt es meist einen kürzeren Weg: die Primärquelle. Ratsbeschlüsse stehen im Ratsinformationssystem der Stadt, Wahlergebnisse beim Wahlleiter, Haushaltszahlen im Haushaltsplan. Wer einen Screenshot sieht, sollte die Originalseite aufrufen, nicht dem Ausschnitt trauen.
Quellen: Bundesregierung: Desinformation erkennenSchritt 4: Bilder rückwärts suchen
Viele Falschmeldungen kommen mit echten Fotos, die aus einem anderen Zusammenhang stammen: ein Bild von einer Demonstration vor Jahren, ein Foto aus dem Ausland, ein Ausschnitt aus einem Film. Mit einer Bilder-Rückwärtssuche lässt sich herausfinden, ob ein Foto manipuliert wurde oder wo und wann es zuerst erschien. Dafür lädt man die Bilddatei oder deren Internetadresse bei einer Suchmaschine hoch. Ort und Datum der ersten Veröffentlichung zeigen, ob das Bild zur Behauptung passt.
Ein Bild beweist nie allein ein Ereignis. Erst Bild, Ort, Datum und Quelle zusammen ergeben eine überprüfbare Aussage.
Quellen: Bundesregierung: Desinformation erkennenEin erfundenes Beispiel zum Üben
Achtung, das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung: In einer Messenger-Gruppe kreist ein Foto eines vollen Parkplatzes, darunter der Satz „Duderstadt macht jetzt die Innenstadt für Fremde dicht – der Stadtrat hat es heimlich beschlossen!“ Dazu ein Aufruf: „Teilen, bevor es gelöscht wird!“
So gehst du vor. Erstens: Der Satz soll Wut auslösen und drängt zur Eile („bevor es gelöscht wird“). Das ist ein Warnzeichen. Zweitens: Wer ist der Absender? Kein Name, kein Datum. Drittens: Ein Stadtratsbeschluss wird nicht heimlich gefasst. Beschlüsse stehen in Tagesordnung und Protokoll der Sitzung, nachlesbar im Ratsinformationssystem. Findet sich dort nichts, ist die Behauptung unbelegt. Viertens: Das Foto per Rückwärtssuche prüfen. Taucht es mit anderem Ort oder Datum auf, ist die Behauptung widerlegt. Fünftens: Eine Nachfrage bei der Stadt oder einer Ratsfraktion klärt den Rest.
Dauer: etwa drei Minuten. Ergebnis: Du hast nichts weitergeleitet, was du nicht belegen kannst.
Was bei Wahlbehauptungen zählt: das amtliche Ergebnis
Zur Kommunalwahl 2026 in Duderstadt liegt ein amtliches Ergebnis vor. Danach erhielt die AfD bei der Stadtratswahl 5,10 Prozent der Stimmen. Das ist eine Zahl, die jede und jeder selbst nachprüfen kann: Das Ergebnis steht auf der Präsentationsseite des Wahlleiters. Über die Wahl gibt es also keinen Streit um Fakten; es gibt nur die Frage, was man politisch daraus macht.
Wer behauptet, Wahlen seien „gefälscht“, muss Belege nennen: Wo, wann, welche Stimmen? In Wahllokalen sind Wahlhelferinnen und Wahlhelfer aus der Bürgerschaft tätig, und die Auszählung ist öffentlich. Pauschale Fälschungsvorwürfe ohne Beleg sind ein klassisches Mittel, um Vertrauen in Verfahren zu zerstören. Das ist keine Meinungsäußerung über Politik, sondern ein Angriff auf die Grundlage, auf der alle Parteien antreten.
Quellen: Amtliches Ergebnis Stadtratswahl Duderstadt 2026 (votemanager.kdo.de)Einordnung (Meinung) und Grenzen dieser Anleitung
Meinung: Prüfen ist eine Bürgerpflicht im Kleinen. Wer vor dem Teilen drei Minuten investiert, schützt nicht nur sich, sondern auch Nachbarn, die im Zweifel auf seine Weiterleitung vertrauen. Parteien, die auf Empörung statt auf Belege setzen, profitieren davon, dass Menschen nicht prüfen. Deshalb gehört Medienkompetenz zur Demokratie wie das Wählen.
Die Anleitung hat Grenzen. Faktenchecks können sich irren, und neue Tricks wie täuschend echte, künstlich erzeugte Bilder brauchen mehr als eine Rückwärtssuche. Auch die hier genannten Quellen sind Stand November 2026; die Seite der Bundesregierung trägt das Datum 5. Mai 2025. Wenn du auf dieser Seite einen Fehler findest, schreib über das Impressum – er wird korrigiert und im Text vermerkt.
Weiter lesen: Wahlergebnisse in Duderstadt: Stadtrat · Zehn Gründe gegen die AfD