Hintergrund · Stand 01.11.2026

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948: Die wichtigsten Artikel, einfach erklärt

Am 10. Dezember 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Liste von Rechten, die für alle Menschen gelten sollen. Was darin steht, was sie rechtlich bedeutet und was sie mit dem Eichsfeld zu tun hat.

1

Wie die Erklärung entstand

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris als Resolution 217 A (III) angenommen. Nach der Datenbank der Vereinten Nationen stimmten 48 Staaten dafür, keiner dagegen, 8 enthielten sich. Die Präambel erinnert daran, dass die Missachtung der Menschenrechte zu Gräueltaten geführt hat, und verlangt deshalb, diese Rechte durch das Recht zu schützen.

Der Anlass war der Zweite Weltkrieg mit dem Massenmord an den europäischen Juden und der Verfolgung von Millionen Menschen. Die Erklärung war der Versuch, nach 1945 einen gemeinsamen Maßstab festzuhalten: Menschenrechte gelten, weil man Mensch ist, nicht weil ein Staat sie gewährt.

Quellen: Vereinte Nationen: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (deutsche Fassung, PDF); UN-Forschungsdatenbank: Abstimmung der Generalversammlung; Wortlaut (Wikisource, Wiedergabe des UN-Textes)
2

Artikel 1 bis 3: Gleiche Würde, gleiche Rechte, Recht auf Leben

Artikel 1 sagt, dass alle Menschen frei und mit gleichem Wert geboren werden. Sie haben Vernunft und Gewissen und sollen einander solidarisch begegnen. Das ist der Grundgedanke, den später das Grundgesetz in Artikel 1 aufgegriffen hat (siehe unseren Beitrag zur Menschenwürde).

Artikel 2 legt fest, dass diese Rechte für alle gelten, unabhängig von Herkunft, Glauben, Geschlecht oder politischer Meinung. Auch der rechtliche Status des Landes, in dem jemand lebt, spielt keine Rolle. Artikel 3 gibt jedem das Recht auf Leben, Freiheit und den Schutz der eigenen Person.

Wichtig ist der Gedanke dahinter: Gleichheit heißt nicht, dass alle gleich sind, sondern dass niemand weniger wert ist. Die Erklärung verbietet es deshalb, Rechte nach Gruppenzugehörigkeit zu verteilen.

Quellen: Wortlaut der Erklärung (Wikisource)
3

Artikel 5, 9 und 13: Schutz vor Folter, Willkür und Einsperrung

Artikel 5 verbietet Folter sowie grausame oder entwürdigende Behandlung und Bestrafung. Artikel 9 besagt, dass niemand willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden darf. Artikel 13 garantiert die Freizügigkeit: Jeder darf sich innerhalb eines Staates frei bewegen und seinen Wohnort wählen. Außerdem darf jeder jedes Land verlassen, auch das eigene, und dorthin zurückkehren.

Dieser dritte Punkt führt direkt in die Geschichte der Region, in der diese Seite entsteht (siehe unten).

Quellen: Wortlaut der Erklärung (Wikisource)
4

Artikel 14: Das Recht, Schutz zu suchen

Nach Artikel 14 dürfen verfolgte Menschen in anderen Ländern Schutz suchen. Dieses Recht gilt nicht bei nichtpolitischen Straftaten oder bei Handlungen, die den Zielen der Vereinten Nationen widersprechen. Wichtig ist die genaue Formulierung: Es ist das Recht, Asyl zu suchen, nicht ein Anspruch auf Aufnahme in einem bestimmten Land. Wie Staaten Schutz konkret gewähren, regeln eigene Gesetze und Verträge. In Deutschland gehört dazu Artikel 16a des Grundgesetzes (siehe unseren Beitrag Asyl im Grundgesetz).

Quellen: Wortlaut der Erklärung (Wikisource)
5

Artikel 18 bis 21: Glaube, Meinung, Versammlung, Wahlen

Artikel 18 schützt Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, einschließlich des Rechts, den Glauben zu wechseln und ihn allein oder gemeinsam, öffentlich oder privat auszuüben. Artikel 19 garantiert die Meinungsfreiheit; dazu gehört, Informationen und Ideen über alle Medien und unabhängig von Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Artikel 20 schützt die friedliche Versammlung und die Bildung von Vereinigungen; niemand darf zur Mitgliedschaft gezwungen werden.

Artikel 21 beschreibt die politische Teilhabe: Jeder darf an der Gestaltung seines Landes mitwirken, direkt oder über gewählte Vertreter, und hat gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern. Staatliche Macht beruht auf dem Willen des Volkes, der sich in regelmäßigen, allgemeinen und geheimen Wahlen zeigen muss. Eine Kommunalwahl wie die vom 13. September 2026 in Duderstadt ist ein Beispiel dafür.

Quellen: Wortlaut der Erklärung (Wikisource)
6

Artikel 30: Rechte dürfen nicht gegen Rechte gewendet werden

Der letzte Artikel, Artikel 30, enthält eine Schutzklausel: Keine Bestimmung der Erklärung darf so ausgelegt werden, dass sie das Recht begründet, die genannten Rechte und Freiheiten zu beseitigen. Anders gesagt: Wer sich auf Freiheit beruft, kann damit nicht die Freiheit anderer abschaffen. Dieser Gedanke steht im Grundgesetz in ähnlicher Form hinter der „wehrhaften Demokratie“. Er erklärt, warum Menschenrechte keine Einladung zu jedem beliebigen Verhalten sind, sondern ein Rahmen, in dem alle sicher leben sollen.

Quellen: Wortlaut der Erklärung (Wikisource)
7

Rechtlich verbindlich? Die Erklärung und die späteren Verträge

Die Allgemeine Erklärung ist eine Resolution der Generalversammlung und kein Vertrag. Sie begründet deshalb für sich allein keine einklagbaren Ansprüche. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie den Maßstab gesetzt hat, auf dem verbindliche Verträge aufbauen, zum Beispiel die Europäische Menschenrechtskonvention und die UN-Pakte von 1966 über bürgerliche und politische sowie über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. In Deutschland wirken Menschenrechte vor allem über das Grundgesetz, dessen Artikel 1 Absatz 2 das Bekenntnis zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten enthält.

Diese Einordnung ist eine Zusammenfassung des allgemein bekannten Rechtsstands; wer Einzelfragen klären will, sollte die genannten Verträge im Wortlaut lesen.

8

Ein Bezug vor Ort: Das Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen

Nur wenige Kilometer von Duderstadt liegt in Teistungen das Grenzlandmuseum Eichsfeld, Duderstädter Straße 7–9. Es befindet sich in Gebäuden des früheren innerdeutschen Grenzübergangs Duderstadt/Worbis, der am 21. Juni 1973 eröffnet wurde. Nach der Selbstdarstellung auf museum.de dokumentiert es die Teilung Deutschlands und Europas von 1945 bis 1990, darunter die Geschichte der DDR und der SED-Diktatur, und zeigt auf dem Grenzlandweg original erhaltene Grenzanlagen. Seit 1995 gibt es dort eine Ausstellung auf mehr als 1.000 Quadratmetern.

Einordnung (Meinung): Artikel 13 der Erklärung, das Recht, ein Land zu verlassen und zurückzukehren, wirkt im Eichsfeld nicht abstrakt. Die Grenze, die hier verlief, hat Familien und Dörfer getrennt. Wer das Museum besucht, sieht, was es bedeutet, wenn Menschenrechte nicht gelten. Das ist kein Vergleich mit heutigen Verhältnissen, sondern eine Erinnerung daran, dass Freiheitsrechte historisch erkämpft wurden.

Öffnungszeiten und aktuelle Angebote bitte direkt beim Museum erfragen; auf museum.de sind keine regulären Zeiten genannt.

Quellen: museum.de: Grenzlandmuseum Eichsfeld

Quellen abgerufen am 1. November 2026. Sie sind sinngemäß wiedergegeben; verbindlich ist jeweils der aktuelle Wortlaut. Fehler bitte über die Kontaktseite melden.

Weiter lesen: Was bedeutet „Die Würde des Menschen ist unantastbar“? · Asyl im Grundgesetz (Art. 16a)