Rente im AfD-Wahlprogramm 2025: Was die Partei vorschlägt, mit Seitenzahlen – und was man dazu prüfen sollte
Das Programm der AfD zur Bundestagswahl 2025 widmet der Rente mehrere Seiten. Hier steht, was dort wörtlich vorgeschlagen wird, woher Zahlen stammen, was sich prüfen lässt und welche Fragen offen bleiben.
Worum es hier geht – und woher der Text stammt
Dieser Beitrag beschreibt, was die AfD in ihrem Bundestagswahlprogramm 2025 zur Rente schreibt. Das Programm wurde nach eigener Angabe auf dem 16. Bundesparteitag vom 11. bis 12. Januar 2025 in Riesa beraten und einstimmig verabschiedet (Programm, S. 1). Gelesen wurde die Fassung, die die Partei auf afd.de als PDF bereitstellt; die Seitenzahlen unten folgen der gedruckten Zählung des Programms. Wörtliche Zitate sind kurz gehalten und stehen in Anführungszeichen.
Die Seite nimmt keine Wahlempfehlung für eine Rentenreform vorweg. Sie trennt drei Dinge: erstens, was im Programm steht; zweitens, welche Angaben sich mit öffentlichen Quellen prüfen lassen; drittens, was nach Einschätzung dieser Seite offen bleibt. Die dritte Gruppe ist als Meinung gekennzeichnet.
Quellen: AfD: Bundestagswahlprogramm 2025 (PDF, abgerufen 01.11.2026)Die Ausgangsbeschreibung des Programms (S. 18)
Das Programm beschreibt das deutsche Rentenniveau als „nur 53 % des letzten Nettogehalts nach Eurostat“ und als „eines der niedrigsten in Westeuropa“ (S. 18). Als Vergleich nennt es Österreich: Dort beziehe ein Arbeitnehmer mit Durchschnittslohn nach 45 Arbeitsjahren 2.600 Euro, in Deutschland 1.500 Euro. Der Unterschied entstehe nach der Rechnung des Programms zu etwa 30 Prozent durch höhere Rentenbeiträge in Österreich, zu weiteren 30 Prozent, weil dort auch Politiker und Beamte einzahlen, zu 15 Prozent durch höhere Staatszuschüsse und zu 25 Prozent durch die jüngere Bevölkerungsstruktur.
Das Ziel nennt das Programm auf S. 17: „in mehreren Schritten“ das durchschnittliche Rentenniveau der westeuropäischen Länder zu erreichen, das nach Eurostat bei „gut 70 Prozent“ des letzten Nettoeinkommens liege. Außerdem fordert es „eine signifikante Erhöhung“ der Renten für heutige Rentner.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 17 und 18Die Vorschläge im Einzelnen (S. 18 bis 20)
Das Programm will „der Rentenversicherung mehr Beitragszahler zuführen“ und die Verrentung „flexibler und gerechter“ gestalten (S. 18). Konkret nennt es:
- Verbeamtungen nur noch für Beschäftigte mit Hoheitsaufgaben, sodass die große Mehrheit der Staatsbediensteten in die Rentenversicherung einzahlt;
- Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen;
- ein flexibles Renteneintrittsalter, abschlagsfrei nach 45 beitragsberechtigten Arbeitsjahren;
- nicht beitragsgedeckte Leistungen mittelfristig aus dem Bundeshaushalt finanzieren (S. 17: dadurch stünden der Rentenversicherung nach Rechnung des Programms knapp zwölf Prozent höhere Mittel zur Verfügung);
- eine Reform des Fremdrentenrechts, die Anrechnung von Zuverdiensten bei der Hinterbliebenenrente zu streichen, und eine höhere Vergütung der Elternschaft bei der Rente (S. 18 f.);
- Rentenbeitragsanhebungen durch Steuersenkungen für Beschäftigte und Unternehmen auszugleichen (S. 19).
Hinzu kommen Vorschläge zur privaten Vorsorge: eine steuerliche Förderung von Aktien, ETFs und Fonds (S. 19) und das „Junior-Spardepot“. Danach sollen für jedes neugeborene Kind „mit deutscher Staatsangehörigkeit und dauerhaftem Aufenthalt“ bis zum 18. Lebensjahr monatlich 100 Euro aus Steuermitteln in einen Aktienfonds- oder ETF-Sparplan gezahlt werden, mit Auszahlung ab 65 (S. 19).
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 17 bis 19Weitere Bausteine: Familie, Arbeit, Zuwanderung (S. 20)
Unter „Weitere Bausteine, die die Rente langfristig stabilisieren“ führt das Programm unter anderem an (S. 20): Unternehmenssteuersenkungen, höhere Erwerbsanreize durch niedrigere Einkommensteuern und ein weniger attraktives Bürgergeld, einen zusätzlichen Steuergrundfreibetrag von 12.000 Euro für arbeitende Rentner, ein Erziehungsgeld für die ersten drei Lebensjahre und eine „Willkommensprämie“ von 20.000 Euro für neugeborene Babys, sofern bereits Rentenbeiträge in derselben Höhe eingezahlt worden sind, andernfalls als Gutschrift auf künftige Rentenbeiträge. Das Programm schreibt, die Prämie werde aus Steuermitteln finanziert und reduziere die Rente nicht.
Als letzten Punkt nennt es die „Begrenzung der Zuwanderung auf qualifizierte Arbeitskräfte“, damit diese am Ende ihres Erwerbslebens nicht auf deutsche Sozialleistungen angewiesen seien.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 20Was sich prüfen lässt
Zum Rentenniveau. Die Zahlen „53 Prozent nach Eurostat“, „gut 70 Prozent“ sowie die Rentenbeträge für Österreich (2.600 Euro) und Deutschland (1.500 Euro) stammen aus dem Programm und wurden hier nicht nachgerechnet. Das Rentenniveau wird je nach Definition unterschiedlich gemessen; Zahlen aus verschiedenen Definitionen lassen sich nicht ohne Weiteres nebeneinanderstellen. Wer die Angaben weiterverwenden will, sollte sie bei den Primärquellen (Eurostat, Deutsche Rentenversicherung) prüfen.
Zur Zuwanderung. Die Bundesagentur für Arbeit stellt in ihrer Fachkräfteengpassanalyse vom 2. September 2026 fest, dass 157 Berufsgattungen einen Fachkräfteengpass aufweisen und dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zunehmend auf ausländische Fachkräfte angewiesen sind. Ein Programmpunkt, der Zuwanderung auf „qualifizierte Arbeitskräfte“ begrenzen will, steht dazu nicht zwangsläufig im Widerspruch; Näheres im Beitrag Fachkräfte und Zuwanderung.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit: Presseinfo 32/2026Was nach Einschätzung dieser Seite offen bleibt (Meinung)
Meinung: Auf den Seiten 17 bis 20, die für diesen Beitrag gelesen wurden, nennt das Programm keine Gesamtkosten und keine Gesamtrechnung. Es nennt Mehrausgaben (höhere Renten, Willkommensprämie, Junior-Spardepot, Steuerfreibetrag für Rentner) und Mindereinnahmen (Steuersenkungen für Beschäftigte und Unternehmen), nennt aber auf diesen Seiten keinen vollständigen Finanzierungsplan. Ob sich an anderer Stelle des Programms eine Gesamtrechnung findet, wurde hier nicht geprüft. Das macht eine Bewertung schwer. Wer ein Rentenkonzept beurteilen will, sollte nach den Kosten fragen: Wie hoch sind sie, wer trägt sie, und wie entwickeln sie sich bei sinkender Zahl der Beitragszahler?
Ebenso bleibt offen, wie der Vergleich mit Österreich auf Deutschland übertragen werden soll, wenn nach der Rechnung des Programms ein Viertel des Unterschieds auf die Bevölkerungsstruktur zurückgeht. Schließlich sind die Bedingungen der beiden Familienleistungen Entscheidungen, über die man politisch streiten kann; sie sind im Programm ausdrücklich so formuliert: Das Junior-Spardepot knüpft an die deutsche Staatsangehörigkeit und den dauerhaften Aufenthalt an, die Willkommensprämie an bereits eingezahlte Rentenbeiträge in derselben Höhe (sonst als Gutschrift auf künftige Beiträge).
Zu jedem dieser Punkte gilt: Die Partei kann und darf ihre Vorschläge begründen. Eine Wahlentscheidung sollte sich auf den Wortlaut des Programms stützen, nicht auf Zusammenfassungen, auch nicht auf diese. Die Quelle ist oben verlinkt.
Quellen abgerufen am 1. November 2026. Sie sind sinngemäß wiedergegeben; verbindlich ist jeweils der aktuelle Wortlaut. Fehler bitte über die Kontaktseite melden.
Weiter lesen: Fachkräfte und Zuwanderung: Was die Arbeitsmarktzahlen sagen · Wie erkenne ich Desinformation?