Klima im AfD-Wahlprogramm 2025: Was die Partei schreibt und was der Weltklimarat dazu schreibt
Das Programm der AfD zur Bundestagswahl 2025 bezweifelt den menschlichen Anteil am Klimawandel und will aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen. Hier stehen die Aussagen mit Seitenzahl und die Bewertung des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts daneben.
Worum es geht und wie hier vorgegangen wird
Dieser Beitrag stellt Aussagen aus dem Klimakapitel des AfD-Bundestagswahlprogramms 2025 neben die Bewertung des Weltklimarats (IPCC). Das Programm wurde nach eigener Angabe auf dem 16. Bundesparteitag am 11. und 12. Januar 2025 in Riesa beschlossen (Programm, S. 1). Das Klimakapitel steht auf den Seiten 77 bis 79 (gedruckte Zählung). Zitate sind kurz und stehen in Anführungszeichen; sonst wird sinngemäß zusammengefasst.
Als Gegenstück dient die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policymakers, SPM) des Beitrags der Arbeitsgruppe I zum Sechsten IPCC-Sachstandsbericht (AR6, 2021). Sie ist die offizielle, von den Regierungen der Mitgliedstaaten Zeile für Zeile gebilligte Fassung des Berichts. Die Zitate daraus sind englisch und werden hier sinngemäß ins Deutsche übertragen. Wo eine Programmaussage mit den hier gelesenen Quellen nicht geprüft werden konnte, steht das ausdrücklich dabei.
Quellen: AfD: Bundestagswahlprogramm 2025 (PDF, abgerufen 01.11.2026); IPCC: AR6 Working Group I, Summary for Policymakers (PDF, abgerufen 01.11.2026)Was das Programm zum menschlichen Anteil schreibt (S. 77)
Das Programm schreibt, der Klimawandel sei „ein komplexes Phänomen, verursacht durch eine Vielzahl von Faktoren“, und die Frage nach dem Anteil des Menschen sei „wissenschaftlich ungeklärt“ (S. 77). Darauf lasse sich keine „tausende Milliarden Euro kostende“ Energiewende aufbauen. Es gebe keinen Grund, die Nutzung fossiler Energien zu beschränken oder zu verbieten, zum Beispiel durch ein Verbrenner-Verbot. Der „angebliche wissenschaftliche Konsens“ zum menschengemachten Klimawandel sei politisch konstruiert, die Vorhersagen des IPCC beruhten auf „unzureichenden Modellen“.
Was der IPCC dazu schreibt. Die Kernaussage A.1 des SPM lautet sinngemäß: Es ist eindeutig („unequivocal“), dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt hat. Unter A.1.1 steht, die beobachtete Zunahme der Konzentrationen gut durchmischter Treibhausgase seit etwa 1750 sei „eindeutig durch menschliche Aktivitäten verursacht“; für 2019 nennt der Bericht Jahresmittel von 410 ppm Kohlendioxid. Die globale Oberflächentemperatur lag 2011 bis 2020 um 1,09 °C (Unsicherheitsbereich 0,95 bis 1,20 °C) über dem Mittel von 1850 bis 1900, über den Landflächen um 1,59 °C. Unter A.1.3 beziffert der Bericht auch den Anteil des Menschen: Der durch menschliche Aktivitäten verursachte Anstieg der globalen Oberflächentemperatur von 1850–1900 bis 2010–2019 liegt nach dem Bericht „wahrscheinlich“ (likely) im Bereich von 0,8 bis 1,3 °C, bester Schätzwert 1,07 °C; natürliche Antriebe veränderten sie um höchstens –0,1 bis +0,1 °C, die interne Variabilität um –0,2 bis +0,2 °C.
Die Programmaussage, der menschliche Anteil sei wissenschaftlich ungeklärt, steht damit im Widerspruch zur Bewertung des IPCC. Das ist keine Meinungsfrage, sondern ein Vergleich zweier Texte: Der IPCC bewertet den menschlichen Einfluss auf die Erwärmung als eindeutig.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 77; IPCC AR6 WGI SPM, Abschnitt A.1, A.1.1 und A.1.3Extremwetter: Programm S. 78 und IPCC A.3
Das Programm schreibt: „Selbst die Häufigkeit von Extremwetterereignissen hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht zugenommen“, wie „mittlerweile selbst das IPCC eingestehen muss“ (S. 78). Die Schäden etwa im Ahrtal gingen oft auf politisches Versagen, mangelnde Instandhaltung und fehlende Schutzmaßnahmen zurück.
Was der IPCC dazu schreibt. Abschnitt A.3 des SPM sagt sinngemäß: Der vom Menschen verursachte Klimawandel beeinflusst bereits viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Erde. Unter A.3.1 heißt es, es sei „virtually certain“ (praktisch sicher), dass heiße Extreme einschließlich Hitzewellen über den meisten Landflächen seit den 1950er Jahren häufiger und intensiver geworden sind, während Kälteextreme seltener und weniger schwer geworden sind; mit hoher Sicherheit sei der menschengemachte Klimawandel der Haupttreiber. Unter A.3.2 steht, Häufigkeit und Intensität von Starkniederschlägen hätten seit den 1950er Jahren über dem größten Teil der Landflächen mit ausreichenden Daten zugenommen.
Die Programmaussage, selbst das IPCC müsse eingestehen, die Häufigkeit von Extremwetter habe nicht zugenommen, lässt sich mit dem gelesenen Text nicht vereinbaren: Für Hitzeextreme und Starkniederschläge nennt der SPM eine Zunahme. Für andere Extremtypen enthält der gelesene Abschnitt differenziertere Aussagen; sie hier einzeln zu bewerten, würde mehr Raum brauchen. Zur Ahrtal-Aussage und zu den Schutzmaßnahmen hat diese Seite keine Quelle geprüft und äußert sich deshalb nicht.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 78; IPCC AR6 WGI SPM, Abschnitt A.3 bis A.3.2Politische Forderungen: Paris, Steuern, Green Deal (S. 78–79)
Neben den Tatsachenaussagen enthält das Kapitel politische Forderungen, die man ablehnen oder unterstützen kann. Das Programm erklärt, die AfD lehne „jede Politik und jede Steuer“ ab, die sich auf „angeblichen Klimaschutz“ beruft, denn das Klima könne der Mensch nicht schützen, und es heißt: „Wir wollen zudem aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen“ (S. 79). Den „Green Deal“ der EU lehnt das Programm ab; die „CO₂-zentrierte Politik“ habe „verheerende Auswirkungen“ auf Wirtschaft und Wohlstand.
Diese Forderungen sind politische Positionen. Ob sie klug sind, ist eine Wertungsfrage, die jede Wählerin und jeder Wähler selbst beantwortet. Ob die zugrunde liegende Aussage stimmt, das Klima könne der Mensch „nicht schützen“, ist dagegen eine Tatsachenfrage; dazu schreibt der IPCC unter A.1 und A.1.3, was oben wiedergegeben ist.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 78 und 79Weitere Aussagen, die diese Seite nicht geprüft hat
Das Programm nennt weitere Behauptungen: dass rund 2.000 Fachleute, darunter zwei Nobelpreisträger, eine „Klimakrise“ ablehnten (World Climate Declaration), dass die „tatsächlichen Beobachtungen“ der vergangenen 30 Jahre hinter den Katastrophenszenarien zurückgeblieben seien und dass CO₂ das Pflanzenwachstum fördere und die Welternährung begünstige (S. 77). Zu diesen Punkten wurden hier keine Quellen gelesen; sie werden deshalb weder bestätigt noch widerlegt. Wer sie prüfen will, findet im IPCC-Bericht ausführliche Kapitel zu Beobachtungen, Szenarien und zu Folgen für Ernährung und Ökosysteme; der SPM der Arbeitsgruppe I ist dafür der kürzeste Einstieg.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 77Was daraus folgt (Meinung)
Meinung: In einer Demokratie darf jede Partei Klimapolitik kritisieren, auch die Kosten und die Wirkung einzelner Maßnahmen. Das ist legitim und gehört zur Debatte. Problematisch wird es nach Einschätzung dieser Seite, wenn politische Forderungen mit Tatsachenbehauptungen begründet werden, die der vom IPCC zusammengefassten Bewertung widersprechen. Wer Klimaschutzmaßnahmen ablehnen will, kann das mit Kosten und Freiheitsargumenten tun, ohne die Erwärmung selbst zu bestreiten. Dass das Programm diesen Weg nicht wählt, ist eine Entscheidung der Partei; sie kann hier nachgelesen und beurteilt werden.
Wie bei allen Beiträgen dieser Rubrik gilt: Maßgeblich ist der Wortlaut des Programms und der IPCC-Texte, nicht diese Zusammenfassung. Beide Quellen sind oben verlinkt. Fehler bitte über die Kontaktseite melden.
Quellen abgerufen am 1. November 2026. Sie sind sinngemäß wiedergegeben; verbindlich ist jeweils der aktuelle Wortlaut. Fehler bitte über die Kontaktseite melden.
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