Energie im AfD-Wahlprogramm 2025: Was auf den Seiten 40 bis 42 und 80 steht – und was Stromhandel und Strompreise zeigen
Das Programm will in die Kernenergie wieder einsteigen, den Braunkohleausstieg verhindern, das Verbrenner-Verbot aufheben und den Ausbau der Windenergie ablehnen. Hier stehen die Programmpunkte mit Seitenzahl, zwei Zahlenabgleiche mit Primärdaten und was offenbleibt.
Worum es hier geht
Dieser Beitrag fasst die Aussagen des AfD-Bundestagswahlprogramms 2025 zur Energiepolitik zusammen (S. 40 bis 42) sowie zum Ausbau von Wind- und Solarenergie (S. 80). Das Programm wurde nach eigener Angabe am 11. und 12. Januar 2025 in Riesa beschlossen (S. 1). Seitenzahlen folgen der gedruckten Zählung. Zitate sind kurz; sonst wird sinngemäß zusammengefasst. Zum Klimakapitel des Programms gibt es einen eigenen Beitrag (Klima im AfD-Wahlprogramm 2025).
Energie betrifft Haushalte, Betriebe und Kommunen, auch im Eichsfeld, etwa bei Heizkosten, Strompreisen und Windkraftprojekten. Ortsbezogene Angaben enthält das Programm nicht; diese Seite nennt keine eigenen. Nachgeprüft werden zwei Aussagen mit Primärdaten: der Stromhandel mit dem Ausland und die Höhe der Strompreise. Alles andere wird wiedergegeben und als nicht geprüft gekennzeichnet.
Quellen: AfD: Bundestagswahlprogramm 2025 (PDF, abgerufen 1. November 2026)Die Programmpunkte zur Energieversorgung (S. 40 bis 42)
Nach dem Programm hat die „ideologiegetriebene“ Klimapolitik zusammen mit dem Ausstieg aus Kern- und Kohleenergie Deutschland „in eine energiepolitisch prekäre Lage gebracht“ (S. 40). Erneuerbare Energien, Wärmepumpen und Elektromobilität könnten „ohne Subventionen am Markt“ nicht bestehen; Deutschland sei zu einem „Stromimportland mit einem der höchsten Strompreise aller Industrieländer“ geworden (S. 40). Die AfD wolle auf „Marktwirtschaft und Technologieoffenheit“ setzen; Anlagen für erneuerbare Energien müssten künftig ihren ökonomischen Nutzen „durch den Verzicht auf Vorrangeinspeisung und Subvention“ nachweisen (S. 40).
Als Maßnahmen nennt das Programm unter anderem (S. 41 f.): „Den geplanten Ausstieg aus der Braunkohleverstromung wird es mit der AfD nicht geben“; den „kurzfristig notwendigen Ausbau von Kohlekraftwerken“ und den „Wiedereinstieg in die Kernenergie“, bestehende Kraftwerke sollen so schnell wie möglich wieder in Betrieb gehen; die verbliebene Leitung Nord Stream 2 (Strang B) soll so schnell wie möglich in Betrieb genommen, die beschädigten Stränge repariert werden; Gas „bevorzugt aus Pipelines“ oder Heizöl für den Wärmesektor; „Wasserstoff als Energieträger ist nicht wettbewerbsfähig“; im Verkehr solle „das Verbot des Verbrennungsmotors“ aufgehoben werden. „Vertraglich zugesagte Subventionen für bestehende Anlagen bleiben bestehen“, und Eigenverbrauch bleibe steuer- und abgabenfrei. Auf S. 42 heißt es, teure Techniken wie Akkumulatoren, Brennstoffzellen und Wasserstofftechnik würden nicht benötigt.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 40 bis 42Wind- und Solarenergie (S. 80)
Im Kapitel „Umweltschutz statt Wind- und Solarausbau“ schreibt das Programm, Windenergieanlagen stellten „grundsätzlich eine Gefährdung für Pflanzen und Tiere“ dar; „Deshalb lehnen wir den weiteren Ausbau der Windenergie ab“ (S. 80). Die Auswirkungen auf Boden- und Wasserhaushalt seien „schnellstmöglich zu erforschen“. Den Neubau von Photovoltaikanlagen als Agro-PV auf landwirtschaftlichen Nutzflächen lehnt das Programm wegen des Flächenverbrauchs ab und nennt als weitere Gründe Mikroklima und Druck auf Produktionsflächen. Die Aussagen zu Tod von Vögeln, Fledermäusen und Insekten, zu Bodenerosion und zum Mikroklima wurden für diesen Beitrag nicht geprüft.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 80Abgleich 1: Stromimport
Das Programm nennt Deutschland ein „Stromimportland“ (S. 40). Die Energy-Charts der Fraunhofer-Gesellschaft (ISE) stellen Daten zum grenzüberschreitenden Stromaustausch über eine Programmierschnittstelle bereit, und zwar in zwei Varianten: die physikalischen Flüsse über die Grenzkuppelstellen und den kommerziellen Stromhandel (Handelsfahrpläne). Beide unterscheiden sich, weil Strom nicht dem Handelsweg folgt. Nach der Beschreibung der Schnittstelle bedeuten positive Werte einen Import und negative einen Export.
Eigene Berechnung. Für diesen Beitrag wurden am 2. November 2026 die Viertelstundenwerte (in Gigawatt) aller elf Nachbarländer, die die Schnittstelle liefert, für die Jahre 2024 und 2025 abgerufen und zu Terawattstunden aufsummiert (Summe der Werte mal 0,25 Stunden, geteilt durch 1.000). Ergebnis für den Saldo über alle Nachbarländer: physikalische Flüsse 2024 rund 25,1 TWh Import und 2025 rund 18,2 TWh Import; kommerzieller Handel 2024 rund 28,3 TWh und 2025 rund 21,9 TWh Import. Der Wert für 2024 bei den physikalischen Flüssen (25,1) passt zur Pressemitteilung des Fraunhofer ISE vom Januar 2025, nach der der Importsaldo 2024 „ca. 24,9 TWh“ betrug; die höhere Zahl beim kommerziellen Handel (28,3) beruht auf der anderen Messgröße. Rohdaten und Rechenskript sind archiviert.
Die Aussage, Deutschland sei Stromimportland, stimmt nach beiden Messgrößen in diesen beiden Jahren im Jahressaldo. Das sagt nichts über einzelne Stunden: Es gibt Zeiten mit Export und Zeiten mit Import. Ob der Importsaldo Folge der im Programm genannten Ursachen ist, sagen diese Zahlen nicht; die Frage, wie sich Ausstieg, Ausbau und Handel auf Preise auswirken, wurde hier nicht untersucht.
Quellen: Energy-Charts (Fraunhofer ISE): Cross Border Electricity Trading, Deutschland 2025 (eigene Summierung, abgerufen 2. November 2026); Energy-Charts API: Beschreibung der Schnittstelle (Vorzeichen); Fraunhofer ISE: Öffentliche Stromerzeugung 2024 (Pressemitteilung, abgerufen 2. November 2026)Abgleich 2: Strompreise
Das Programm schreibt, Deutschland habe „einen der höchsten Strompreise aller Industrieländer“ (S. 40). Eurostat veröffentlicht halbjährlich Strompreise für Haushaltskunden (Datensatz nrg_pc_204). Für das erste Halbjahr 2025 und die Verbrauchsklasse von 2.500 bis 4.999 Kilowattstunden jährlich, einschließlich aller Steuern und Abgaben und in Euro zu laufenden Preisen (nominal, nicht kaufkraftbereinigt), nennt der Datensatz für Deutschland 0,3835 Euro je Kilowattstunde; der EU-Durchschnitt liegt bei 0,2879 Euro. Alle 41 Einträge des Datensatzes für diesen Zeitraum (Länder und Zusammenfassungen) wurden sortiert; Deutschland hat darunter den höchsten Wert; es folgen unter anderem Belgien (0,3571), Dänemark (0,3485) und Italien (0,3291). Frankreich liegt bei 0,2671 und Österreich bei 0,2905.
Die Programmaussage ist damit für Haushaltsstrompreise in Europa im gewählten Zeitraum durch die Eurostat-Daten gedeckt. Eurostat vergleicht europäische Länder, nicht alle Industrieländer der Welt; Industriestrompreise und Preise in anderen Weltregionen wurden nicht geprüft.
Quellen: Eurostat: Strompreise für Haushalte, 1. Halbjahr 2025 (nrg_pc_204), Datenabruf 2. November 2026Was das Programm auf diesen Seiten offenlässt
Auf den gelesenen Seiten finden sich, soweit erkennbar, keine Angaben zu diesen Punkten: Wie viele Kernkraftwerke sollen wann in Betrieb gehen, was kostet das, und wer trägt die Kosten? Wie sollen die schon abgeschalteten Anlagen „so schnell wie möglich wieder in Betrieb“ genommen werden, und welche Genehmigungen sind nötig? Wie sollen Strompreise ohne Subventionen und ohne Vorrangeinspeisung sinken? Wie verhält sich der Verzicht auf weiteren Windkraftausbau zu den Klimazielen, die das Programm ablehnt? Ob Antworten an anderer Stelle des Programms stehen, wurde hier nicht geprüft.
Quellen: AfD-Wahlprogramm 2025, S. 40 bis 42 und 80Was daraus folgt (Meinung)
Meinung: Energiepolitik ist ein Feld, auf dem Parteien offen um Preise, Versorgungssicherheit und Umweltfolgen streiten dürfen. Wer Konzepte vergleicht, kann nach den Kosten, nach den Zeiträumen und nach der Gegenfinanzierung fragen. Das gilt für jedes Programm, unabhängig davon, welche Partei es vorschlägt. Nach dem Abgleich in den Abschnitten „Abgleich 1“ und „Abgleich 2“ stimmen die beiden geprüften Aussagen für die angegebenen Zeiträume; welche Folgerungen daraus zu ziehen sind, ist eine politische Frage, die jede Wählerin und jeder Wähler selbst beantwortet.
Maßgeblich ist der Wortlaut des Programms, nicht diese Zusammenfassung; er ist oben verlinkt. Fehler bitte über die Kontaktseite melden.
Quellen abgerufen am 1. und 2. November 2026. Sie sind sinngemäß wiedergegeben; verbindlich ist jeweils der aktuelle Wortlaut. Fehler bitte über die Kontaktseite melden.
Weiter lesen: Klima im AfD-Wahlprogramm 2025 · Wohnen im AfD-Wahlprogramm 2025